Freitag, 22. August 2014

STIMMEN AUS DEM BAUCH

 
Der Darm ist unsere innere Mitte. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es drei unterschiedliche Darmgruppen - die drei sogenannten Enterotypen. Die sind, vergleichbar den Blutgruppen, nicht geschlechts- oder altersspezifisch und auch nicht an Ethnien gebunden.

Warum die Evolution diese verschiedenen Darmgruppen hervorgebracht hat, ist noch weitestgehend unbekannt. Bislang wissen die Forscher vor allem, dass die verschiedenen Darmtypen mit unterschiedlicher Effizienz Nahrung verarbeiten. Möglicherweise ist dies endlich der richtige Ansatzpunkt zur Behandlung von Fettleibigkeit.

Wird es in Zukunft für jeden Darmtypen unterschiedliche Ernährungsempfehlungen geben? Ist der Darm nicht in Ordnung, fühlt sich der ganze Mensch schlecht. Die Ursache für diffuse Darmbeschwerden zu finden war bisher ein unangenehmes Unterfangen für Patienten: die Darmspiegelung.

Wie ein U-Boot durch das Verdauungssystem
Das hat sich geändert, seitdem die Darm-Kamera auf dem Markt ist. Die Kapsel-Endoskopie mit der Kamera in Pillen-Form schließt die diagnostische Lücke im Dünndarm. Wie ein U-Boot gleitet sie durch das Verdauungssystem und filmt die Innenseite. Für die Kapsel-Kamera unsichtbar: ein Geflecht von Nerven, das sich um den Darm zieht - insgesamt über 100 Millionen Zellen. Nach Gehirn und Rückenmark stellt das Enterische Nervensystem die größte Ansammlung von Nervenzellen im menschlichen Körper dar.

Es arbeitet völlig autonom, ständig werden Informationen ans Großhirn gesendet. Unbewusst, wie eine Art Hintergrundrauschen. Umgekehrt sendet das Großhirn aber nur wenige Informationen an den Darm. Welcher Art diese Informationen sind, ist noch weitgehend unerforscht. Klar ist jedenfalls, dass der Darm mehr kann als verdauen. Er beeinflusst sogar die Emotionen.

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