Montag, 20. Oktober 2014

DER TANZ DER GEIER



Der Neo-Liberalismus in der Wirtschaftspolitik hat im Verlauf der letzten 30 Jahre die Banken immer mächtiger werden lassen. Profit hat oberste Priorität, statt Investitionen bestimmen Spekulationen die Geschäfte. Dabei gerät die Politik immer mehr unter den Einfluss omnipräsenter Finanzmanager. Wird die gegenwärtige Finanzkrise daran etwas ändern?

Geschäftsbanken, Hedgefonds und Versicherungen spielen mit Risiken und Vertrauen, mit wahren und falschen Werten. Derivate werden immer komplexer, Kommissionen steigen ins Unermessliche, und Geldmengen bewegen sich immer schneller um die ganze Welt. Die Gefahr einer Finanzblase steigt. Ob Rohstoffe, Immobilienkredite oder undurchschaubar gewordene Finanzinstrumente - die Spekulanten machen auf der Suche nach Profit vor nichts halt.

Wie konnte sich dieses System durchsetzen, und warum können die Staaten es nicht mehr kontrollieren? Die Antwort scheint nahe zu liegen: Die Bankiers haben die Macht übernommen. In den Vereinigten Staaten etwa ist die "Krake" namens Goldmann Sachs allgegenwärtig und viele Männer und Frauen in Machtpositionen waren oder sind immer noch für diese Bank tätig. Auch in Europa, vor allem in Brüssel, schreiben die omnipräsenten Banken den Staaten ihre Gesetze vor. Und eine Änderung ist trotz globaler Finanzkrise nicht in Sicht.

DER GROSSE REIBACH



Mit dem Wahlsieg Margaret Thatchers in Großbritannien 1979 und der US-Präsidentschaft Ronald Reagans ab 1981 begann eine "neoliberale Revolution", die den Kapitalismus tiefgreifend verändert hat, indem sie seine sozialen Aspekte immer weiter reduzierte. Diese Ära ging 2007 mit einer Immobilienkrise zu Ende, die die westliche Welt in ein Wirtschaftstief stürzte und eine Zeit ökonomischer und politischer Unsicherheit eröffnete, deren Ende auch 2012 nicht abzusehen ist.

Als Margaret Thatcher in Großbritannien und Ronald Reagan in den USA die Regierung übernahmen, starteten diese beiden überzeugten Anhänger mit Hilfe von Wirtschaftsberatern der mächtigsten Großbanken eine Deregulierungskampagne sondergleichen: Stück für Stück zerschlugen sie alles, was nach der großen Depression 1929 und der Nachkriegszeit geschaffen worden war, um dem Kapitalismus eine soziale Komponente zu geben. Ihre Nachfolger, ob konservativ oder "links", führten diese Politik fort. So bestand ironischerweise die letzte Amtshandlung des Demokraten Bill Clinton im Oval Office in der Unterzeichnung eines Gesetzes, das den Staat völlig entwaffnen und Finanzmärkten endlich erlauben sollte, sich so zu entwickeln, wie es ihnen beliebte.

Das neue Zeitalter führte zu allgemeiner Verschuldung und einem Spekulationskapitalismus, in dem der sofortige Profit verlockender ist als Investition und in dem nicht mehr der einzelne Anleger, sondern die ganze Welt die Risiken trägt. Zwischen Produktions- und Finanzsektor tat sich ein tiefer Graben auf.

Spekulation hatte es im Kapitalismus schon immer gegeben. Doch was früher als Ausnahme galt, wurde nun die Regel. Die weltweite Finanzwirtschaft geriet aus den Fugen: Das Oligopol der Großbanken wurde zum Unsicherheitsfaktor, und mit der neuen Wirtschaftselite wuchs die soziale Ungleichheit. Doch dann riss die Realität die Finanzriesen aus ihren Träumen: im Jahr 2007 implodierte das System.

Die Filmemacher Jean-Michel Meurice und Fabrizio Calvi bieten einen Einblick in das Zusammenwirken jener Mechanismen, die die Finanzwelt in die aktuelle Krise geführt haben.

Sonntag, 19. Oktober 2014

TULPENRAUSCH - DER ERSTE BÖRSENKRACH


Eine unübersehbare 'goldene' Tulpenzwiebel weist deshalb auf die Zeit im 17. Jahrhundert hin, die als 'Tulpomanie' in die Geschichte einging. Damals kostete eine Tulpenzwiebel rund 10.000 Gulden und entsprach damit dem Jahreseinkommen eines wohlhabenden niederländischen Kaufmanns. Um in den Besitz der kostbaren Zwiebel zu gelangen, wurde gestohlen, betrogen und gelogen. Der 'Tulpenwahn' mündete in einem Fiasko und schließlich im ersten Börsenkrach der Geschichte.

Freitag, 17. Oktober 2014

DER AUFSTIEG DES GELDES (III/IV) | GLOBALER MARKT - GLOBALER CRASH ? | BBC EXKLUSIV




Die Globalisierung der Finanzmärkte hat immer wieder zu Krisen des Systems und Zusammenbrüchen an der Börse geführt. Eine Mitschuld daran tragen auch multinationale Konzerne wie das Unternehmen Enron. Mit einer Mischung aus rücksichtslosem Raubtierkapitalismus und Betrug schaffen solche Wirtschaftsriesen ein Klima des Misstrauens. Großes Vertrauen dagegen hatten die Chinesen über zwei Jahrzehnte in das ungebremste Wachstum ihrer Wirtschaft.

Niall Ferguson besucht unter anderem Chongqing, eines der Zentren der Chinesischen Wirtschaft und erklärt wie der chinesische mit dem US-amerikanischen Markt zusammenhängt. Sah es bis Ende letzten Jahres durchaus noch so aus, als ob China die Krise unbeschadet überstehen könnte, mehren sich jetzt die Anzeichen, dass auch hier das stetige Wachstum irgendwann beendet ist. Kann China die weltweite Krise sogar noch verschärfen?

Mittwoch, 15. Oktober 2014

DER KAPITALISMUS (2/6) | ADAM SMITH UND DER WOHLSTAND



Woher kommt der Kapitalismus? Dokureihe. In dieser Folge reflektieren mehr als 20 prominente Mitwirkende aus dem Bereich Wirtschaftstheorie die Entwicklung seit 2008 und hinterfragen die wirtschaftspolitischen Denker aus der Geschichte des Kapitalismus. So auch Adam Smith, dessen "Wohlstand der Nationen" (1776) ein Bestseller ist, der regelmäßig neu aufgelegt wird.


Dienstag, 14. Oktober 2014

DER KAPITALISMUS (1/6) | ADAM SMITH UND DER FREIE MARKT



Woher kommt der Kapitalismus? Ist er durch eine natürliche gesellschaftliche Entwicklung entstanden? Die Recherche in insgesamt 22 Ländern entlarvt neue Ikonen und stürzt schonungslos alte. In sechs spannenden Folgen wird das gängige Bild von der Wirtschaft auf den Kopf gestellt. Diese nimmt Adam Smith und den freien Markt unter die Lupe.


INSIDE JOB



Inside Job ist ein Dokumentarfilm von Charles H. Ferguson über die weltweite Finanzkrise ab 2007.

Der Film wurde von Sony produziert und im Mai 2010 bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt und erhielt 2011 den Oscar. 

Der Dokumentarfilmer befragt Banker, Politiker und Wirtschaftsprofessoren nach den Ursachen der Finanzkrise und kommt zu dem Fazit, dass der Grund für die Krise in der Liberalisierung der Finanzmärkte liegt. Ferguson zeigt auf, dass unter Präsident Barack Obama teilweise die gleichen Personen für die Kontrolle der Finanzmärkte zuständig sind, die seinen Recherchen nach die Krise mit ausgelöst haben.

Montag, 13. Oktober 2014

DER AUFSTIEG DES GELDES (II/IV) | LEBT DER STAAT AUF PUMP ? | BBC EXKLUSIV



Diese Episode zeigt einen Krimi der besonderen Art: die Erfindung der Staatsanleihen im Italien der Renaissance und die Folgen für die weltweite wirtschaftliche Entwicklung. Dienten die Staatsanleihen in der Renaissance vor allem dazu, Kriege zwischen den italienischen Stadtstaaten zu finanzieren, blieb die Verbindung zwischen dieser Anlageform und dem Krieg über Jahrhunderte erhalten. Professor Niall Ferguson verdeutlicht, in welchem Zusammenhang der Aufstieg der Familie Rothschild, die Schlacht von Waterloo und der amerikanische Bürgerkrieg stehen.

Auch heute noch können Staatsanleihen Staaten in die Knie zwingen, wie uns der Niedergang Argentiniens vor Augen führt: vom wohlhabendsten Land Südamerikas zur Pleiterepublik in wenigen Jahren. Kann die Politik in solchen Fällen überhaupt noch in die Geschicke des Staates eingreifen oder ist es in Wirklichkeit der Finanzmarkt, der die Welt beherrscht?

Freitag, 10. Oktober 2014

GOLDMAN SACHS - EINE BANK LENKT DIE WELT



Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.

Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern.

Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein - vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

DER AUFSTIEG DES GELDES (I/IV) | ZERPLATZTE TRÄUME | BBC EXKLUSIV




Die britische Produktion "The Ascent of Money" (Der Aufstieg des Geldes) wurde als beste Dokumentation 2009 mit dem Emmy Award ausgezeichnet.

In der ersten Folge befasst sich Professor Ferguson mit den Ursachen der aktuellen US-Immobilienkrise und beginnt seine Reise in Memphis, Tennessee. Memphis ist nicht nur die Stadt, in der Elvis Presley sein erstes Konzert gab, und in der Martin Luther King ermordet wurde, es ist auch die Hauptstadt einer US-amerikanischen Kultur von Schulden und Pleiten als Lebensmodell. Viele der Einwohner haben schon einmal Privatinsolvenz angemeldet und Pfändungen von Autos oder Häusern sind hier an der Tagesordnung. Aber wie konnte es soweit kommen?

Niall Ferguson nimmt den US-Immobilienmarkt unter die Lupe: von der Weltwirtschaftskrise in den 20er Jahren über die neoliberale Politik der 80er Jahre bis hin zur aktuellen Krise am US-Hypothekenmarkt. Es wird deutlich, dass die derzeitige Krise zwar nicht die erste ihrer Art ist, aber sicherlich eine der schwersten. Doch wie sieht es im Rest der Welt aus: sind alle von den Auswirkungen des zerplatzten amerikansichen Traums betroffen?