Freitag, 19. September 2014

FRISCH AUF DEN MÜLL | DIE GLOBALE LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG




Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll. Das meiste schon auf dem Weg vom Acker zum Esstisch, bevor es uns Verbraucher überhaupt erreicht. Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das Ausmaß der Verschwendung ist den Wenigsten klar. Essen wegzuwerfen findet niemand gut - "weil andere nichts zu essen haben", sagen die Jüngeren. Und die Älteren erinnern sich noch an den Hunger im Krieg: "Da waren wir um jeden Kanten Brot froh." Aber wir alle machen mit beim großen Ex und Hopp.

Die Wirklichkeit in unseren Mülltonnen

Der Filmemacher Valentin Thurn hat die Wirklichkeit in unseren Mülltonnen aufgespürt. In den Abfall-Containern der Großmärkte, der Supermärkte und denen vor unserer Haustür. Sie enthalten Massen einwandfreier Lebensmittel, teilweise noch originalverpackt, oft ist nicht einmal das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Über zehn Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr werden allein in Deutschland weggeworfen. Und es werden immer mehr!

Warum werfen wir so viel weg? Auf der Suche nach Erklärungen spricht Valentin Thurn mit Supermarkt-Verkäufern und -Managern, Bäckern, Großmarkt-Inspektoren, Ministern, Psychologen, Bauern und EU-Bürokraten.
Was er findet ist ein System, an dem wir uns alle beteiligen: Supermärkte bieten durchgehend die ganze Warenpalette an. Bis spät in den Abend muss das Brot in den Regalen frisch sein, zu jeder Jahreszeit gibt es Erdbeeren. Und alles muss perfekt aussehen: Ein welkes Salatblatt, ein Riss in der Kartoffel oder eine Delle im Apfel, und sofort wird die Ware aussortiert. Joghurtbecher schon zwei Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Verheerend für das Weltklima

Dass wir die Hälfte unseres Essens verschwenden, wirkt sich verheerend auf das Weltklima aus. Die Landwirtschaft ist für mehr als ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich, der Anbau der Lebensmittel verbraucht Energie und Dünger und zerstört immer mehr Regenwälder. Wenn Nahrungsmittel auf der Müllkippe verrotten, entweicht zusätzlich Methangas, das bei der Erderwärmung 25-mal so stark wirkt wie Kohlendioxid.

Verschwendungssucht verschärft weltweiten Hunger

Unsere Verschwendungssucht verschärft auch den weltweiten Hunger. Früher mahnten uns unsere Mütter, den Teller leer zu essen: "Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie dieses Essen bekämen." Als Kinder haben wir sie nicht ernst genommen - wie sollten unsere Tellerreste auch zu den afrikanischen Kindern kommen? Doch die Aussage unserer Mütter war geradezu prophetisch. Die steigenden Weizenpreise belegen es: Heutzutage kaufen wir unser Essen auf demselben Weltmarkt, auf dem auch die Entwicklungsländer kaufen. Würden wir weniger wegwerfen, müssten wir weniger einkaufen; die Preise fielen und es bliebe mehr für die Hungrigen.

Es geht auch anders!

Aber es geht auch anders! Valentin Thurn findet weltweit Menschen, die die irrsinnige Verschwendung stoppen wollen: die deutsche "Mülltaucherin" Hanna Poddig zum Beispiel, die Nahrungsmittel aus den Abfallcontainern der Supermärkte rettet. Den französischen Supermarkt-Direktor Thomas Pocher, der seine Kunden dazu bringen will, weniger klimaschädliche Produkte zu kaufen. Den amerikanischen Anthropologen Timothy Jones, der Verbraucher und Landwirte zusammenbringt, und die Wiener Forscherin Felicitas Schneider, die Mülltonnen von Haushalten und Supermärkten auseinandernimmt und mit ihren Erkenntnissen Überzeugungsarbeit leistet.

Kleine Schritte, die zusammengenommen aber eine große Chance bieten: Wenn wir unsere Lebensmittelverschwendung nur um die Hälfte reduzierten, würde sich das auf das Weltklima genauso auswirken, als ob wir auf jedes zweite Auto verzichteten.

Mittwoch, 17. September 2014

DAS COOLNESS-DIKTAT



Weltweit verkauft die Firma Apple Computer und Telefone. Das tun andere Firmen auch, aber keine hat dieses spezielle Image, neben dem praktischen Nutzen auch ein bestimmtes Lebensgefühl mitzuliefern. Wie ist es dem kürzlich verstorbenen Steve Jobs gelungen, seinen Produkten diese außergewöhnliche Position zu verschaffen?

Die Produkte der Firma Apple, seien es Computer oder Telefone, vermitteln den Käufern beziehungsweise Nutzern eine bestimmte Lebensart und die Zugehörigkeit zu einer besonderen - oft auch als elitär bezeichneten - Gruppe der Gesellschaft, die äußerst anziehend wirkt. Durch den Kauf eines Macintoshs, eines iPhones oder iPods fühlt sich der Verbraucher automatisch auf einer Stufe mit Künstlern und anderen Antikonformisten.

Wie hat es die Firma Apple, die in einer bescheidenen Garage in Kalifornien ihren Anfang nahm und zu einem weltweit agierenden Konzern aufgestiegen ist, geschafft, die Kunden selbst zu den effizientesten Missionaren der Marke zu machen? Sogar das Logo - ein angebissener Apfel - steht für Rebellion und Freiheit. Apple scheint zu einer Art neuer Religion oder Weltanschauung geworden zu sein. Und ihr Guru heißt Steve Jobs, der im Oktober 2011 gestorbene geniale Erfinder der kalifornischen Marke.




Freitag, 12. September 2014

DIE PROPAGANDASCHLACHT UM DIE GENTECHNIK



Wenn man den Versprechen der Gentechnik-Industrie glaubt, gilt eines der größten Probleme der Menschheit schon als gelöst: die Welternährung. Viele Millionen Euro haben Agrartechnik-Riesen in Kampagnen für Politiker, Bauern und Verbraucher gesteckt. Sie behaupten, dass sich mit Gentechnik größere Erntequoten auf kleineren Feldern erzielen ließen, und das mit weniger Pestizid. Doch vielerorts kommen Zweifel auf: Erträge mit gentechnisch verändertem Saatgut gehen oft nach wenigen Jahren zurück - die Natur wehrt sich und bildet Resistenzen.

Donnerstag, 11. September 2014

KAUFEN FÜR DIE MÜLLHALDE - DIE GEPLANTE OBSOLESZENZ



Glühbirnen, Nylonstrümpfe, Drucker, Mobiltelefone - bei den meisten dieser Produkte ist das Abnutzungsdatum bereits geplant. Die Verbraucher sollen veranlasst werden, lieber einen neuen Artikel zu kaufen, als den defekten reparieren zu lassen. Die bewusste Verkürzung der Lebensdauer eines Industrieerzeugnisses, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, nennt man "geplante Obsoleszenz". Bereits 1928 schrieb eine Werbezeitschrift unumwunden: "Ein Artikel, der sich nicht abnutzt, ist eine Tragödie fürs Geschäft".

Gestützt auf mehr als drei Jahre dauernde Recherchen, erzählt die Dokumentation die Geschichte der geplanten Obsoleszenz. Sie beginnt in den 20er Jahren mit der Schaffung eines Kartells, das die Lebensdauer von Glühbirnen begrenzt, und gewinnt in den 50er Jahren mit der Entstehung der Konsumgesellschaft weiter an Boden.

Dienstag, 9. September 2014

SCHLUSS MIT SCHNELL



Die globalisierte Beschleunigung hat uns alle fest im Griff. Verantwortlich für diese Geschwindigkeit ist die unkontrollierte Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Wirtschaft. Wir sind in einem Zustand permanenten Zeitdrucks. Doch überall auf der Welt verweigern sich immer mehr Menschen dem allgegenwärtigen Stress. Eine Ode an das selbstbestimmte Leben.

Immer schneller, immer effizienter, immer rentabler - was haben wir aus der Zeit gemacht? Die Zeit scheint sich dem allgemeinen Maß des Geldes nicht mehr entziehen zu können. Wir sind in die Ära der Beschleunigung eingetreten, in die Ära der Norm gewordenen Unverzüglichkeit. Aber zu welchem Preis? Im Finanzwesen und in der High-Tech-Branche führt der immer größere Zeitdruck zu ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen. 

Doch es gibt eine Gegenbewegung: Weltweit haben Frauen und Männer beschlossen, sich auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen dem Diktat der Dringlichkeit zu widersetzen. In Europa, Lateinamerika, den USA und Indien gibt es Initiativen einzelner Personen und Vereine, die nach Wegen suchen, um zu einem Umgang mit der Zeit zurückzufinden, der Aufmerksamkeit, Geduld und Sinnhaftigkeit ermöglicht. 

Wer sind diese neuen Rebellen, die einen anderen Rhythmus vorleben, um eine fruchtbare Beziehung mit der Zeit wiederzuentdecken? Das Barefoot College in Indien zum Beispiel bildet Tausende von Frauen aus ländlichen Gebieten in der Herstellung von Solartechnik aus. Auch Versuche der Entglobalisierung können zur Entschleunigung beitragen: Die Städte Romans-sur-Isère und Bristol führen eine Alternativwährung ein, um das tägliche Leben wieder lokaler zu gestalten. Und im amerikanischen Ithaca haben Landwirtschafts- und Kreditgenossenschaften bereits bewiesen, dass sie die Wirtschaft lokal verankern können. 

Als Gegenmodell zum Wettlauf um Zeit und Rentabilität könnten diese Alternativen beispielhaft für die Welt von morgen sein. Im Grunde sind sie die praktische Umsetzung der kritischen Analysen von Philosophen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftlern und Forschern wie Pierre Dardot, Rob Hopkins, Geneviève Azam und Bunker Roy.

Freitag, 5. September 2014

SHOP 'TIL YOU DROP - SHOPPEN BIS ZUM UMFALLEN



Heute ist die Freude darüber, etwas Schönes und Neues zu erwerben, längst dem Zwang gewichen, immer das Neueste, Beste und Schönste besitzen zu müssen. Die Dokumentation beleuchtet am Beispiel der USA das Konsumverhalten der letzten 60 Jahre.

Warum wird eigentlich überall und zu jeder möglichen Tages- und Nachtzeit gekauft? Die Dokumentation analysiert auf unterhaltsame Weise die Evolution des modernen Menschen zum Konsumenten. Sie zeigt am Beispiel der USA, dem langjährigen Vorbild der westlichen Hemisphäre, die gesellschaftliche Situation vor 60 Jahren, als der Konsumterror seine Anfänge nahm. Vom neuesten Auto, das schöner und schneller zu sein hatte als das des Nachbarn, bis zum trendigen Mobiltelefon, von dem jedes Jahr ein neues angeschafft werden muss, jedes bunter und hipper als das alte Modell. Doch auch die Konsequenzen des permanenten Konsums werden ins Bild gerückt. Denn das schöne und bisweilen erhebende Gefühl, mit dem neuen Kauf ein frisches Stück vom Glück erworben zu haben, stellt sich immer schneller als trügerisch, weil unbefriedigend, heraus. Und die Ausbeutung der Ressourcen und das Wachsen der Abfallberge werden immer offensichtlicher. So stehen der Euphorie, das Neueste, Beste und Schönste zu besitzen, die Leere nach dem Kauf und die programmierte Katastrophe für die künftigen Generationen gegenüber.

Kaufen steigert sich zum Zwang, Neues besitzen zu müssen. Die Freude an neu Erworbenem währt immer kürzer und das Konsumkarussell dreht sich immer schneller. Folgen sind unter anderem schwindende Rohstoffe und wachsende Müllberge. Der Themenabend zeigt zum einen am Beispiel der USA die Geschichte des Konsumverhaltens und zum anderen den Versuch einer Familie, sich durch bewussten Verzicht dem Konsumterror zu entziehen.

Donnerstag, 4. September 2014

THE CORPORATION



Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm "The Corporation" hat Konzerne zum Thema - und deren Kritik. 

Er gewann den Titel als beliebtester kanadischer Film beim Internationalen Filmfestival in Vancouver, 2004 den Publikumspreis des angesehenen Sundance Film Festivals und 2005 den Genie Award als bester Dokumentarfilm. Und das obwohl das Thema des Filmes keineswegs ein leicht bekömmliches ist. Doch den Regisseuren - Mark Achbar, Joel Bakan und Jennifer Abbott - ist es gelungen, dieses anschaulich aufzubereiten. Es geht um Nike und Lego. Und um noch viel mehr. Es geht um Konzerne.

Das als sehr wirtschaftsfreundlich bekannte Magazin The Economist schrieb über den Film: „Beide Lager der Globalisierungsdebatte sollten aufmerken. The Corporation ist ein überraschend rationaler und intelligenter Angriff auf die wichtigste Institution des Kapitalismus.“

Der Film analysiert zu Beginn das Handeln großer Unternehmen unter dem Gesichtspunkt, dass sie Personen, nämlich juristische Personen sind. Dies hat den historischen Hintergrund, dass der oberste Gerichtshof der USA Unternehmen als juristischen Personen dieselben Rechte wie Menschen als natürlichen Personen zugesprochen hatte. Diese juristische Konstruktion hat sich mittlerweile fast weltweit durchgesetzt. Dies nahmen die Filmemacher zum Anlass, die Handlungen und Verhaltensweisen von real existierenden Großunternehmen (Kapitalgesellschaften) auf eine Art und Weise zu analysieren, als wären diese Menschen. Als Maßstab dienen dabei die DSM-IV-Richtlinien, die Ärzten und Psychologen zur Beurteilung des psychischen Zustands einer Person dienen. Für die Analyse wurden dabei nur tatsächlich geschehene und durch Medienberichte dokumentierte Aktivitäten bekannter Unternehmen herangezogen, vorwiegend aus den USA. Die Filmemacher kommen zu dem Schluss, dass alle Kriterien für schwerste (menschliche) psychische Störungen auf die untersuchten Kapitalgesellschaften zutreffen. Der für den Film interviewte Robert Hare, Psychologieprofessor an der University of British Columbia und FBI-Berater, schließt daraus, dass ein profitgeleiteter Konzern nach klinischen Gesichtspunkten einem Psychopathen gleichzusetzen sei.

Der Film liefert unter anderem einen historischen Abriss der Geschichte der Rechtsformen von Unternehmen. Dabei vertritt er die Position, dass die Entwicklung zu dem im Film dokumentierten unverantwortlichen Verhalten mit der Ablösung des persönlich für sein Unternehmen haftenden Unternehmers durch die anonyme Kapitalgesellschaft, bei der niemand mehr wirklich für deren Handeln als Ganzes haftbar ist, eingeleitet wurde.

Andere Themen sind zum Beispiel: Smedley Butler und der 1933 versuchte Coup gegen Franklin D. Roosevelt; die Privatisierung der städtischen Wasserversorgung Boliviens durch die Bechtel Corporation im Jahr 2000 und die daraus resultierenden Proteste in Cochabamba.

Der Film enthält außerdem Interviews mit prominenten Kapitalismuskritikern wie Noam Chomsky, Naomi Klein, Michael Moore, Vandana Shiva und Howard Zinn einerseits, andererseits aber auch Meinungen von bekannten Managern wie Ray Anderson, sowie Standpunkte von Peter Drucker, Milton Friedman und anderen Befürwortern der freien Marktwirtschaft wie dem Fraser Institute. Weiterhin wird Dr. Samuel Epstein zum Unternehmen Monsanto interviewt, welches das umstrittene Wachstumshormon Posilac vertrieb, um die Milchproduktion zu erhöhen.

Montag, 1. September 2014

THE STORY OF STUFF - DIE GESCHICHTE DER DINGE



Die amerikanische Aktivistin und Moderatorin Annie Leonard hilft uns mit ihrem ausgezeichnetem Video "The Story of Stuff", den kompletten Konsumkreislauf und die damit verbundenen sozialen und ökologischen Folgen zu verstehen. Der wahre Preis unserer Produkte steht nicht auf dem Preisschild der Verpackung.

Jedes Produkt hat seine eigene Geschichte. Und diese Geschichte ist oftmals viel länger als wir auf den ersten Blick erkennen können. Sie beginnt beim Anbau der Rohstoffe, geht über die Herstellung, den Vertrieb und unseren eigenen Konsum, und endet noch lange nicht im heimischen Mülleimer.



Mehr Informationen bei:
www.storyofstuff.com/

Freitag, 29. August 2014

DIE VERMESSUNG DER LUST - QUELLE DER LIBIDO



Der Atem wird schneller. Jede Faser des Körpers ist gespannt. Das Herz galoppiert, bis 120 Schläge pro Minute. Sex ist Leidenschaft, ein Urinstinkt. Ein einzigartiges Phänomen. Forscher wollen wissen: Wie kommunizieren Gehirn und Genitalien dabei?

Weltweit suchen Medizinexperten in unseren Milliarden Nervenzellen nach dem Lustzentrum. Mit Methoden der Hirnforschung, mit kostspieliger Technik wollen die Sexualforscher das Rätsel der Begierde entschlüsseln. Wo im Körper entsteht die Lust auf Sex? Welche Hormone treiben uns beim Orgasmus zur Ekstase? Können wir unseren Trieb in Zukunft manipulieren?

Sophie und Nikolas sind unsere Probanden. Mit dem Paar wollen wir die Geheimnisse des körperlichen Verlangens erkunden. Sie begleiten uns in die Labore der Wissenschaftler. Sex ist für beide ein wichtiger Teil ihrer Beziehung. Für Nikolas beginnt die Leidenschaft nicht erst im Bett, vielmehr im Kopf. Dort sitzt die Quelle der Libido. Sensoren unserer Haut leiten bei Berührung Impulse ins Gehirn. Das wissen die Forscher. Doch welche Hirnregion genau unsere Erregung auslöst, ist noch unbekannt.

Mittwoch, 27. August 2014

JOURNALISMUS VON MORGEN - DIE VIRTUELLE FEDER



Stirbt die Tageszeitung bald aus? Seit etwa 20 Jahren bedroht die digitale Revolution die Papierwelt. Das Business-Modell der Printpresse hat den Boden unter den Füßen verloren. In der Dokumentation erleben die zwei Medienexperten Philippe Kieffer und Marie-Eve Chamard vor Ort, wie führende Verlage, Chefredakteure, Journalisten und Leser darauf reagieren.

Über ein Jahrhundert lang war die Zeitung in allen großen Demokratien das wichtigste Informationsmedium. Aber kurz nach der Millenniumswende hat sich das schlagartig geändert. Heute beobachtet man ein weltweites Zeitungssterben. Immer mehr Nachrichten werden immer schneller verbreitet, inzwischen jedoch über digitale Kanäle wie Websites, Blogs und soziale Netzwerke. Wie kam es dazu? Wie reagieren die großen Verlagshäuser? Hat die Stunde der Roboter und der Algorithmen schon geschlagen, oder wird es noch einen Journalismus mit menschlichem Antlitz geben? Die Fragen, die "Journalismus von morgen" aufwirft, betreffen uns schon jetzt alle.

Um sie zu beantworten, hat der deutsch-französische Filmemacher Pierre-Olivier François in Zeitungsredaktionen in den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Indien recherchiert. Er liefert Erkenntnisse über künftige Formen der aktuellen Berichterstattung, die die morgendliche Tageszeitung schon jetzt grundlegend verändern. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende des Medienunternehmens Axel Springer, oder Natalie Nougayrède, ehemalige Chefredakteurin des Pariser Traditionsblatts "Le Monde", fragen sich ganz offen, ob anspruchsvoller Printjournalismus in Zukunft noch Bestand haben wird. Chefredakteure der „International New York Times“ oder Sonderkorrespondenten beim britischen "Guardian" erzählen, wie Twitter und Facebook ihr Leben verändert haben. Der Chef der Nachrichtenagentur Agence France Presse streitet mit einem der berühmtesten deutschen Digitaljournalisten, Wolfgang Blau, in welcher Sprache Artikel heute überhaupt geschrieben werden müssen.

Ebenfalls kommen diskrete Softwareunternehmen zu Wort, die für große Verlage zielgenau den virtuellen Leser analysieren. Philosophen, die sich wegen der aktuellen Zeitungskrisen Sorgen um den öffentlichen Diskurs machen. Und Wissenschaftler, die mit Videospielen und sprechenden Möbeln die Medien von morgen erfinden.